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In den Herbstferien machten sich sechs Schülerinnen und Schüler aus dem Jahrgang 10 mit Frau Pedemonte und Herrn Knaack (Schulsozialarbeit Weingartenschule) auf nach Olesnica in Polen, um sich dort eine Woche lang bei einem Austausch mit der deutsch-polnischen Geschichte auseinanderzusetzen.
Wir trafen dort auf eine Gruppe polnischer Schülerinnen und Schüler aus einer Berufsfachschule Gastronomie und Bäcker. Eine Besonderheit bei diesem Austausch in Olesnica ist, dass wir dort in einem alten Schloss untergebracht sind, in dem auch die Berufsschule und ein Internat beheimatet ist.
In dieser Woche begaben wir uns vor allem auf die Spuren der Zeit um den zweiten Weltkrieg, aber durch Führungen in einem Schloss, Kirchen und in Breslau bekamen wir auch Einblicke in die politische Lage zu anderen Zeiten. Am emotional anstrengendsten war eindeutig der Besuch im KZ Groß-Rosen, das sich zwei Autostunden von Olesnica entfernt befindet. Während einer Führung durch das KZ wurde uns erklärt, dass Groß-Rosen kein eigentliches Vernichtungslager war, aber aufgrund der schlimmen Bedingungen dort und der harten Arbeit im Steinbruch (mindestens 10-12 Stunden am Tag) die durchschnittliche Überlebensdauer bei vier Wochen bis drei Monate lag. Sehr bedrückend war auch der Besuch einer nachgebauten Baracke mit Bildern von Szenen aus der damaligen Zeit und der Tatsache, dass wir dort schon bei 10 Grad Außentemperatur mit Jacken froren, während die Häftlinge dort auch im Winter ohne Heizung und adäquate Kleidung überleben mussten.
Nach der Führung ging es weiter mit einem Workshop zum Thema Menschenrechte, Aussetzung dieser und den Auswirkungen von Hassreden. Hier wurden Parallelen zwischen damals und heute gezogen und erschreckend verdeutlicht, wie schnell sich politische Lagen verändern können und was für Auswirkungen das auf Millionen von Menschen haben kann, wenn dieses nicht rechtzeitig erkannt und gestoppt wird.
Nach einem stärkenden Mittagessen und damit einer kurzen Pause für das sehr beanspruchte Gehirn, ging es weiter in den Untergrund von Osowka Underground City. Hier ließ Hitler Zwangsarbeiter unter der Erde große Gänge und Höhlen in die Steine schlagen. Der Zweck dafür ist bis heute nicht wirklich klar. Die Thesen schwanken zwischen: er wollte dort unterirdisch Firmen ansiedeln, um sie vor dem Krieg zu schützen oder er wollte es für die Erforschung und den Bau weiterer Waffen nutzen. Auch diese unterirdische Stadt wurde unter unmenschlichen Bedingungen für die Zwangsarbeiter konstruiert.
Nach diesem Tag fragt man sich unweigerlich, wie Menschen heutzutage die damalige Zeit und das Leid für Millionen von Menschen aus allen möglichen Gruppierungen, Ländern, Religionen, politischen Richtungen…. verharmlosen oder sogar verleugnen kann.
Zwischen den ganzen spannenden, aber auch anstrengenden Themen gab es zur Auflockerung auch immer wieder entspannte Einheiten, wie zum Beispiel deutsch-polnisches Kochen, Stadtrallye in binationalen Teams, gruppendynamische Spiele….
Insgesamt war es eine aufregende, spannende Woche, in der wir alle viel gelernt, viele neue Eindrücke gewonnen und neue Kontakte geknüpft haben. Wir bedanken uns beim deutsch-polnischen Jugendwerk und der SANDDORF-STIFTUNG ohne die dieser Austausch nicht möglich gewesen wäre.